Eine der jüngsten Schützenbruderschaften im Bereich Schwalmtal ist die St. Magdalena - Schützenbruderschaft Schwalmtal-Schier 1850 e.V.. Sie wurde im Jahr 1850 als "Schützengesellschaft von Schier, Rüsgen, Hagen und Linde" gegründet. Die Gründer dieser Schützengesellschaft entschlossen sich, die heilige Magdalena als Schutzpatronin zu wählen. Anlässlich ihres ersten Vogelschusses wurde am 26. Mai 1850 den 53 Gründungsmitgliedern die Statuten der neuen Schützengesellschaft vorgelesen. Laut diesen hatte sich die Vereinigung folgenden drei Aufgaben zur Pflicht gemacht:

Mitglied der Schützengesellschaft konnte jeder werden, der, ob ledig oder verheiratet, älter als zwanzig Jahre alt war. Knechte durften allerdings nur mit Erlaubnis ihres Dienstherren der Vereinigung beitreten. Bei einem Austritt aus der Schützengesellschaft hatte die betreffende Person "zehn Silbergroschen Abschieds - Geld an den Bruderschafts - Schatz" zu zahlen.

Da in den Jahren 1850 bis 1924 keine Jahresberichte angefertigt wurden, lassen sich die Ereignisse sich die Ereignisse innerhalb dieses Zeitraums nicht mehr rekonstruieren. Jedoch geht aus den lückenhaften Mitgliederlisten hervor, dass Gerhard Heinen 1850 beim ersten Vogelschuß den Vogel abgeschossen hatte und somit erster Schützenkönig dieser Schützengesellschaft war. Eine Eintragung im Kassenbericht des Jahres 1851 besagt, dass in diesem Jahr die erste Fahne der Schützengesellschaft angeschafft wurde. Sie ist bis zum heutigen Tage erhalten und zeigt die heilige Magdalena zusammen mit dem heiligen Sebastianus. Bis zum Jahre 1870 war die Mitgliederzahl auf 110 Mitglieder angewachsen. Ob der deutsch - französische Krieg 1870/71 Auswirkung auf diese Vereinigung genommen hatte, ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Aus den Kassenberichten ist jedoch ersichtlich, dass die Bruderschaft auch in diesen Jahren ihre Schützenkönige ermittelt hat. Im Jahre 1888 war die Mitgliederzahl auf 156 Schützenbrüder angestiegen. Vom Mai 1908 datiert die "Neueintragung nebst Änderung der Statuten" der Schützengesellschaft. In ihr erscheint zum ersten Mal der Name der Schutzpatronin der Vereinigung in der Benennung der Bruderschaft, die von jetzt an "St. Magdalena Bruderschaft 'Zu Schier'" hieß. (Fortsetzung folgt)

Historisches und "Histörchen"* aus der jüngeren Geschichte der Bruderschaft: 1948 - Das erste Schützenfest nach dem II. Weltkrieg: Auch unsere Bruderschaft wurde 1936 als konfessioneller Verein durch das nationalsozialistische Regime verboten. Am 16. Mai 1948 versammelten sich die Männer aus den Sektionen Schier, Rüsgen, Rieth, Hagen und Linde. Es wurde beschlossen, die Bruderschaft wieder aufleben zu lassen. Bereits im Juni sollte Kirmes sein. Aus dieser Terminnot heraus beschloss man, statt des Vogelschusses lediglich den traditionellen Vogelputz durchzuführen. Nach der Beschreibung aus früheren Tagen muss man dazu einen Vogel mit Kreide auf eine Türe gemalt haben. Wer dann den letzten Teil des Vogels auswischte, verpflichtete sich, die Königswürde zu bekleiden. Lorenz Tillmanns - letzter König vor dem Krieg - übernahm noch einmal diese Würde und Verpflichtung. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten man nach dem Weltkrieg zu kämpfen hatte. 14 Tage vor der Währungsreform vom 12. - 16. Juni fand die Kirmes statt. Für das immer noch gültige Zahlungsmittel "Reichsmark" war längst nicht alles zu bekommen. Das meiste musste mit Kompensationsgeschäften abgewickelt werden. Die Uniformen wurden zum Beispiel mit Textilien, Schnaps und Getreide bezahlt. Die preise beim Schützenfest waren ziemlich Inflationär: Bei Preisen von 60 - 70 Reichsmark für eine Flasche Wein belief sich der Verzehr am Königstisch auf ca. 10.000,- Reichsmark.

[* Quelle: Kleine Festschrift zum Schützenfest 1997]

Heilige Maria Magdalena - unsere Schutzpatronin

Maria Magdalena hatte ursprünglich nur den Namen Maria und hat ihren Beinamen von ihrem Heimatort Magdala, einer geschäftigen Stadt am See Genesareth. Diesen Ort gibt es auch heute noch, nicht weit entfernt von Karphanaum, wo Jesus seinen ersten Wirkungskreis hatte. In Magdala blühte zur Zeit Jesu der Handel. Fischfang und Fischverarbeitung gaben den Menschen Arbeit und Wohlstand. Maria Magdalena war den Legenden nach das Kind reicher Eltern mit den Namen Syrus und Eucharia. Laut dem Lukas-Evangelium befreite Jesus sie von sieben Dämonen. Daraufhin wurde sie seine Jüngerin und unterstützte gemeinsam mit anderen Frauen den Freundeskreis mit ihrem Vermögen. Sie erlebte aus nächster Nähe Jesus Kreuzigung mit und traf ihn als erste am Ostermorgen. Danach verkündete sie Petrus und den anderen Jüngern das Wunder der Auferstehung. Laut kirchlicher Überlieferung ist sie die große Sünderin, die Jesus im Haus des Pharisäers Simon die Füße mit Tränen netzt, mit ihren Haaren trocknet und mit kostbarem Öl salbt. Diese ungewöhnliche Liebesbezeugung bewegt Jesus, der Sünderin, die Schuld zu vergeben. So heißt es im Lukas-Evangelium:

"Dann wandte sich Jesus der Frau zu und sagte zu Simon: 'Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum waschen der Füße gegeben; Sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; Sie aber hat mir, seid ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; Sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Daher sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben; Darum hat sie soviel Liebe gezeigt. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.' Dann sagte er zu ihr: 'Deine Sünden sind dir vergeben... Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!'" (Lk 7, 44-50). Aus Sicht der heutigen Forschung ist sehr zu bezweifeln, das die Frau aus dieser Szene wirklich Maria Magdalena war. Jedoch die kirchliche Tradition hat wohl dennoch nicht unrecht, die liebevolle Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena in dieser Szene wiederzuerkennen.

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